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Es geschah im Jahre 1988
Ein Kommentar von Pater Bernhard Gerstle, FSSP
Am 18. Oktober 2008 begeht
die Priesterbruderschaft St. Petrus den zwanzigjährigen Jahrestag ihrer
kirchlichen Anerkennung. Auch bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. wird ein
Jubiläum gefeiert: Vor zwanzig Jahren wurden am 30. Juni in Econe durch
Erzbischof Lefebrve vier Priester zu Bischöfen geweiht. Ein trauriges Jubiläum.
Mit einer Wallfahrt im September nach Fulda will der deutsche Distrikt der
Piusbruderschaft für die Gnadenströme danken, die aus ihrer Sicht seitdem durch
die vier exkommunizierten Bischöfe geflossen seien.
Der Bruch begann mit
einer Unwahrheit
Mit einer Unwahrheit wurde der Bruch mit Rom 1988 vollzogen. Unmittelbar vor der
Bischofsweihe sieht das Rituale nämlich die Frage vor: “Habt ihr den Auftrag des
Papstes?” Daraufhin antwortete der damalige Generalobere, Pater Schmidberger,
wahrheitswidrig mit “ja”, obwohl Papst Johannes Paul II. die Bischofsweihen
unter Androhung der Exkommunikation verboten hatte. In ihrer Verlegenheit berief
sich die damalige Führungsspitze der Piusbruderschaft auf das “ewige Rom”, das
sie dazu angeblich ermächtigte.
Eine Bischofsweihe ohne
päpstliches Mandat hatte aber noch zuletzt Papst Pius XII. mit Blick auf die
schismatischen Bischofsweihen in China als einen Akt verurteilt, der gegen
göttliches Recht verstößt und sich folglich auch im Gegensatz zu rein
kirchlichem Recht auf keinen Notstand berufen kann.
Rom aller Zeiten?
Das
Gegeneinander-Ausspielen der konkreten Autorität in Rom in Gestalt des Papstes
gegen ein fiktives “Rom aller Zeiten” erinnert sehr verdächtig an manche
Irrlehrer, die ganz ähnlich argumentierten, um sich dem Gehorsam des jeweiligen
Papstes zu entziehen. Die Leitung der Piusbruderschaft vertritt bis heute die
Überzeugung, dass diese unerlaubten Bischofsweihen notwendig gewesen seien zur
Rettung der Kirche.
Doch ist diese Überzeugung nicht eine stolze Anmaßung? Ist Gott wirklich auf
einzelne Menschen oder einzelne Gemeinschaften angewiesen, um durch einen Akt
des Ungehorsams seine Kirche zu retten? Hinzu kommt, dass ihnen schon damals
Papst Johannes Paul II. außergewöhnlich weit entgegen gekommen ist, indem er
bereit war, am 15. August 1988 einen Priester aus den Reihen der
Piusbruderschaft zum Bischof weihen zu lassen. Doch Erzbischof Lefebrve bestand
auf vier Bischofsweihen und der Weihe bereits am 30.Juni.
Summorum Pontificum
War schon 1988 die Verweigerung dieses großherzigen Entgegenkommens von Seiten
Roms unbegreiflich, dann trifft dies umso mehr auf die vergangenen Jahre zu, in
denen der Vatikan nochmals alle Anstrengungen unternahm, um den unseligen Bruch
zu heilen. Doch alles vergeblich, auch die allgemeine Freigabe der
altehrwürdigen lateinischen Liturgie von Papst Benedikt XVI. durch das Motu
Proprio “Summorum Pontificum” vom 7. Juli letzten Jahres.
Damit hat die
Piusbruderschaft auch in Kreisen, die ihr bisher noch wohlwollend gegenüber
standen, den letzten Kredit verspielt. Ich erwähne dies alles nicht aus
parteilichen Gründen. Auch möchte ich niemanden verletzen, der mit der
Piusbruderschaft sympathisiert. Ich kenne etliche Gläubige, die dort regelmäßig
die heilige Messe besuchen und zugleich Liebe zur Kirche und zu Papst Benedikt
haben. Und ich bin ebenso überzeugt, dass es dort nicht wenige Priester gibt,
welche sich eine baldige Versöhnung wünschen. Aber nachdem der Generalobere,
Bischof Fellay, diesen Hoffnungen eine klare Absage erteilt hat, ist es an der
Zeit, deutlich Position zu beziehen.
Es obliegt dem Heiligen
Stuhl zu beurteilen, inwiefern die Piusbruderschaft noch zur katholischen Kirche
gehört, aber fest steht, dass sie in keiner Weise einen kirchlichen
Sendungsauftrag hat und irgendeine Jurisdiktion besitzt.
Kirchenrechtlicher Status der FSSPX
Ihre Bischöfe sind
exkommuniziert und ihre Priester sind suspendiert und daher nicht berechtigt,
die hl. Messe zu feiern bzw. Sakramente zu spenden.
Wenn sich ein junger
Priester der Piusbruderschaft erlauben darf, in deren Mitteilungsblatt vom April
2008 zu schreiben, dass der Konflikt mit Rom sich dann wie von selbst erledigt,
wenn wir wieder einen wahrhaft katholischen Papst haben, dann zeigt diese
dreiste Äußerung, wie weit sich diese Gemeinschaft schon von Papst und Kirche
entfernt hat. Hardliner wie Bischof Williamson, der Rom offen vorwirft, vom
Glauben abgefallen zu sein und eine andere Religion zu vertreten, können
ungeniert ihre Meinungen kundtun, ohne dass sie vom Generaloberen, Bischof
Fellay, zurecht gewiesen werden.
In ihrem Bestreben sich und ihren Status zu rechtfertigen, steht die
Piusbruderschaft regelrecht unter dem Zwang, die kirchliche Situation möglichst
düstern zu schildern. Dies ist ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien
aller Art, aber auch für ein Erkalten der Liebe zur Kirche. Was bleibt ist dann
nur noch die “Amtskirche”. Hoffen und beten wir, dass wenigstens ein Teil dieser
Bewegung den baldigen Rückweg findet. Der hl. Cyprian sagt: “Wo Petrus ist, da
ist die Kirche!”
(siehe auch:
Piusbruderschaft:
Quo
Vadis?)
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